Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk

Diese Woche werden Sie wieder vergeben: Die Nobelpreise. Vor einem Jahr wurde Olga Tokarczuk (nachwirkend für 2018) mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Sie zählt zu den bedeutendsten europäischen Autorinnen der Gegenwart. Wir möchten ihrem grandiosen Werk deshalb diese Woche nochmal besondere Aufmerksamkeit schenken.

Durch großes schriftstellerisches Können sowie die spielerische, stets mit Humor durchzogene Leichtigkeit ihrer Sprache schafft es Olga Tokaczuk, selbst sehr ernste und tragische Inhalte so darzustellen, dass man bereit ist, sich gerne darauf einzulassen. Der von ihr oft eingesetzte collageartige Stil der Mischung von Textsorten, bringt nicht nur Lebendigkeit in ihre Bücher, sondern eröffnet beim Lesen immer neue Perspektiven und Aspekte. Auch lässt sie somit die „Dinge“ für sich sprechen.

Gesang der Fledermäuse      Die Jakobsbücher    

Humorvoll, spannend, eigen, gibt das Buch einen Einblick in eine sehr einsame, abgelegene, doch überaus interessante Region mitten in Europa - durchaus ein Krimi und doch so viel mehr. Die Bücher der Nobelpreis-Trägerin sind äußerst empfehlenswert, und zum „Einsteigen“ ist dieses Buch genau richtig und mit Vergnügen zu lesen. Marion

Im Sommer tummeln sich wohlhabende Städter auf dem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze. Im Winter fliehen die allermeisten Einwohner den windumtosten Ort. An den langen dunklen Tagen widmet sich Janina Duszejko der Astrologie und der Lyrik des von ihr verehrten William Blake. Man hält die ältere Dame für verschroben, wenn nicht gar für verrückt, auch weil sie die Gesellschaft von Tieren der von Menschen vorzieht. Dann gibt es einen Toten. Janinas Nachbar Bigfoot ist grausam erstickt: In seiner Kehle steckt der Knochen eines Rehs. Und es bleibt nicht bei einer Leiche. Janina ermittelt auf eigene Faust. Kriminalfall, philosophischer Essay, Fabel, literarisches Spiel - auf ebenso komische wie ergreifende Weise zeigen Olga Tokarczuk und ihre hinreißende Heldin, wie sehr es unserer Gesellschaft an Respekt mangelt, ob der Natur und den Tieren oder jenen Menschen gegenüber, die am Rande stehen. Ein philosophischer Kriminalroman, der skurrilen Witz mit scharfer Zivilisationskritik verbindet.

Olga Tokarczuk, 2019
ISBN: 978-3-311-10022-5

Beim Lesen wuchs mein Erstaunen und meine Achtung für die Autorin, solch ein Buch geschrieben zu haben: Extreme Recherchearbeit verbindet sich dank ihres Schreibstils und der Strukturierung des Textes mit großer Leichtigkeit und Flüssigkeit beim Lesen der fast 1200 Seiten. Nachgeschlagen habe ich dennoch einiges, einfach weil dieses Porträt des 18. Jahrhunderts in Osteuropa so spannend war. Einlassen muss man sich auf das Buch also schon, aber es lohnt sich. Ein verdienter Nobelpreis, der von den eigenen Landsleuten bis hin zur Morddrohung angefeindet wurde, weil sie auch die vielen „unerfreulichen“ Tatsachen polnischer Geschichte in keiner Weise beschönigt. Marion

Er galt als Luther der Juden - seine Anhänger sahen in ihm einen Messias, für seine Gegner war er ein Scharlatan, ja Ketzer. Jakob Frank war eine der schillerndsten Gestalten im Europa des 18. Jahrhunderts. "Die Jakobsbücher" sind das vielstimmige Porträt einer faszinierenden Figur, deren Lebensgeschichte zum Vexierbild einer Welt im Umbruch wird. Olga Tokarczuk hat einen historischen Roman über unsere Gegenwart geschrieben, der zugleich ein Plädoyer für Toleranz und Vielfalt ist. Ihr Opus magnum, vom Nobelpreiskomitee explizit in der Begründung erwähnt. Ein Buch, das Grenzen überschreitet.

Olga Tokarczuk, 2019
ISBN: 978-3-311-10014-0

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